Ernährungswende auf Sparflamme- Auswirkungen der Haushaltskürzungen durch den Oldenburger Rat

Unsere Arbeit als Ernährungsrat Oldenburg bringt Menschen zusammen: Zivilgesellschaft, Initiativen, Bildungseinrichtungen, Verwaltung und Politik. Diese Netzwerkarbeit ist eine zentrale Grundlage für funktionierende Projekte und lebendigen Austausch rund um eine regionale, ökologische und gerechte Versorgung mit Nahrungsmitteln in und um Oldenburg.

Mit dem Haushalt 2026 wurde unser Budget gekürzt, unsere Koordinationsstelle halbiert. Das ist beschlossene Sache. Aber was bedeutet das konkret?

Zum Hintergrund der Kürzungen haben wir bereits berichtet: https://ernaehrungsrat-oldenburg.de/neues/#news-region-14834

Netzwerk und sozialer Zusammenhalt

Ohne die volle Kraft des Ernährungsrats fehlen die Kapazitäten, um Menschen an einen Tisch zu bringen. Weniger Stunden bedeuten weniger Zeit für Koordination. Projekte, die sozialen Zusammenhalt fördern, können in dieser Dichte nicht mehr gestemmt werden.


„Der Ernährungsrat Oldenburg ist für uns bei JANUN Oldenburg ein unverzichtbarer Partner in der Bildungsarbeit. In der gemeinsamen Arbeit, etwa bei der Regio-Dinner-Challenge, bei Schnippeldiskos oder Koch-Workshops, erleben wir immer wieder, wie nachhaltige Ernährung Menschen miteinander ins Gespräch bringt und Engagement vor Ort entstehen lässt. Wenn diese Arbeit durch massive Kürzungen eingeschränkt wird, gehen wichtige Räume für Lernen, Beteiligung und Austausch in der Stadtgesellschaft verloren. Diese Arbeit braucht Verlässlichkeit. Wir appellieren daher an die Politik, die Finanzierung des Ernährungsrats zu sichern.“
– Olga Vinica, JANUN Oldenburg


Auch bestehende Kooperationen und erfolgreich aufgebaute Netzwerke sind durch die Kürzungen gefährdet.


„2024 gab es eine Veranstaltungsreihe mit fünf Veranstaltungen rund um das Thema Ernährungsarmut – organisiert vom Ernährungsrat, der ALSO, JANUN und ÖZO. Diese wichtigen, spannenden und gut besuchten Veranstaltungen und die daraus entstandenen Kooperationen und Netzwerke hätte es in Oldenburg ohne den Ernährungsrat nicht gegeben.
Die Einsparungen durch die Kürzungen stehen in keinem Verhältnis zu dem Schaden, der dadurch angerichtet wird.
Die SPD sollte sich auf ihre eigenen sozialen Ansprüche besinnen!“
-Michael Bättig


Die Kürzungen treffen damit nicht nur einzelne Projekte, sondern die Grundlage für Zusammenarbeit, Beteiligung und sozialen Zusammenhalt in Oldenburg insgesamt.

Vernetzung & Wirtschaft

Der Ernährungsrat leistet einen zentralen Beitrag zur Entwicklung regionaler Wertschöpfungsketten und zur Stärkung der lokalen Ernährungswirtschaft. Durch die gezielte Vernetzung von Landwirtschaft, Verarbeitung, Handel, Bildung und Verwaltung entstehen Strukturen, die langfristig wirtschaftliche Perspektiven in der Region sichern.

Diese Arbeit ist jedoch auf Kontinuität und verlässliche Rahmenbedingungen angewiesen. Die vorgesehenen Kürzungen gefährden genau diesen langfristigen Aufbauprozess.


„Der Aufbau lokaler, resilienter Strukturen in der Ernährungswirtschaft ist vergleichbar mit einem Marathonlauf, der einer langen Vorbereitung und grosser Ausdauer bedarf. Das sollte sich in den Förderstrukturen widerspiegeln, ansonsten ist das Risiko, dass gute Ergebnisse einfach verpuffen, sehr hoch. Die Unterstützung beim Aufbau lokaler Strukturen ist keine milde Gabe, sondern aktive Wirtschaftsförderung. Das ist noch lange nicht in den Köpfen der Entscheider angekommen. Es geht darum, vom enormen Wirtschafts-Potenzial der Ernährungswirtschaft etwas in die regionalen Kanäle zu lenken.“
-Stefan Rother, Bio-Beratung , Mitglied im Fachbeirat für ökologischen Landbau beim Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz Niedersachsen
und
Susanna Suhlrie, Vorständin der Regionalwert AG Bremen & Weser-Ems


Die Arbeit des Ernährungsrats wirkt dabei weit über einzelne Projekte hinaus und unterstützt konkret die Umsetzung politischer Zielsetzungen auf regionaler Ebene.


„Der Ernährungsrat in Oldenburg hat mit seiner hohen Fachexpertise in den Themenfeldern nachhaltige Ernährungsbildung und Wissensvermittlung vom Acker bis zum Teller in den vergangenen Jahren sehr fundierte Arbeit geleistet. Wir sind sehr froh, dass wir im Themenfeld Aufbau einer nachhaltigen Gemeinschaftsverpflegung und damit Generierung einer höheren Wertschöpfung für die landwirtschaftlichen Betriebe vor Ort, gerade an den Schnittpunkten Bildung/Beratung und Aufbau von regionalen Wertschöpfungsketten zusammenarbeiten dürfen. Der Ernährungsrat unterstützt uns bei der Umsetzung des politischen Beschlusses: `Aufbau von regionalen und bio-regionalen Wertschöpfungsketten` auf Kreisebene. Der Ernährungsrat in Oldenburg gilt als Leuchtturm mit bundesweiter Strahlkraft. “
-Jutta Benken, Dipl. Ing. Agrarwirtschaft, Projektmanagement Amt für regionale Entwicklung, Landkreis Oldenburg.


Die Kürzungen gefährden damit nicht nur bestehende Kooperationen, sondern auch die Weiterentwicklung regionaler Wirtschaftsstrukturen. Was über Jahre aufgebaut wurde, droht an Dynamik zu verlieren – mit direkten Auswirkungen auf Wertschöpfung, Arbeitsplätze und die Zukunftsfähigkeit der Region.

Bildung und Zukunft

Ernährungsbildung ist eine zentrale Voraussetzung für eine nachhaltige, gesunde und sozial gerechte Entwicklung. Wir vermitteln Wissen, schaffen Bewusstsein und befähigen Menschen, bewusstere Entscheidungen für eine regionale und nachhaltige Ernährung zu treffen.


„Wir essen alle. Jeden Tag. Und ich stelle immer wieder fest, wie wenige die Menschen darüber wissen, was sie essen. Meiner Meinung nach gibt es nichts, was so einen positiven Effekt auf die Gesundheit und das Wohlbefinden der Menschen hat, wie eine gesunde Ernährung. Nebenbei ist eine gesunde Ernährung gut fürs Klima. Es sollte viel mehr Ernährungsräte geben.“
-Katrin Kürschner, Lehrerin BBS 3


Ernährungsbildung ist eine zentrale Voraussetzung für eine nachhaltige, gesunde und sozial gerechte Entwicklung. Der Ernährungsrat Oldenburg vermittelt Wissen, schafft Bewusstsein und befähigt Menschen, informierte Entscheidungen über ihre Ernährung zu treffen.


„Weil niemand allein ein faires Ernährungssystem schaffen kann, brauchen wir Ernährungsräte!
Mit seinem großen Engagement der letzten Jahre hat der Ernährungsrat Oldenburg es geschafft, Menschen für ein nachhaltigeres Ernährungssystem in ihrer Region zu begeistern und es tatkräftig zu gestalten. Gleichzeitig gibt er der Gesellschaft eine Stimme und trägt ihre Belange an Entscheidungstragende der Ernährungspolitik.
Seine Arbeit ist zentral: Er schafft Rückhalt in der Gesellschaft als starkes Fundament für Veränderungen und ist Treiber für eine zukunftsfähige Ernährungswende – beides wird dringend benötigt!“
-Annika Gaurig, Leiterin Zentrum für Ernährung und Hauswirtschaft Niedersachsen (ZEHN)


Die Kürzungen führen damit vor allem zu einem spürbaren Rückgang an Bildungsangeboten und Beteiligungsmöglichkeiten. Weniger Projekte bedeuten weniger Gelegenheiten, Menschen für nachhaltige Ernährung zu sensibilisieren und praktische Kompetenzen zu vermitteln. Bereits aufgebaute Strukturen und Kontakte können nicht im gleichen Maß weitergeführt werden – mit direkten Auswirkungen auf die Reichweite und Wirksamkeit der Bildungsarbeit vor Ort.

Die vorgesehenen Kürzungen betreffen nicht nur einzelne Projekte oder Angebote, sondern greifen in die grundlegend in unsere Arbeitsfähigkeit ein. Sie schwächen zentrale Bereiche wie Bildungsarbeit, Vernetzung und den Aufbau regionaler Strukturen gleichermaßen.
Was über Jahre hinweg aufgebaut wurde – verlässliche Kooperationen, funktionierende Netzwerke und wirksame Bildungsformate – kann unter diesen Bedingungen nicht im bisherigen Umfang fortgeführt werden.
Vor diesem Hintergrund ist die Entscheidung zur Kürzung mehr als eine haushalterische Maßnahme. Sie stellt die Frage, welchen Stellenwert Themen wie nachhaltige Ernährung, regionale Wertschöpfung und gesellschaftlicher Zusammenhalt künftig in Oldenburg haben sollen.

Jede Spende zählt!

Um unsere Arbeit fortsetzen zu können, sind wir auf Spenden angewiesen. Jeder Beitrag hilft und zeigt, dass eine nachhaltige Ernährungspolitik in Oldenburg gewollt ist.

Spendenkonto:
Kontoinhaber: transfer e.V.
IBAN: DE62 2806 1822 0432 2630 02
Verwendungszweck: „Haushalt 26“

Wir sind Teil des gemeinnützigen Vereins transfer- Netzwerk nachhaltige Zukunft e.V. Das bedeutet, dass wir auch Spendenbescheinigungen ausstellen können.

Wir freuen uns über jede Unterstützung!