Gemeinsam für eine nachhaltige Ernährung in der Region

Permakultur trifft auf „Essbare Schulen“

Fotoausstellung

Im Rahmen des Projektes „Essbare Schulen Oldenburg“ und der Schnippeldisko entstand eine Fotoausstellung, zu der der Ernährungsrat Oldenburg im Oktober 2019 einlud und welche nun online betrachtbar ist.

Das Konzept der Ausstellung thematisiert mit den gezeigten Bildern die zwölf Prinzipien der Permakultur, welche auch in der Bepflanzung der Schul-Kistenbeete unseres Projektes „Essbare Schulen“ angewandt wurden und nun auch auf künstlerische Art vermittelt werden. Szenisch bildet die Schnippeldisko als schulübergreifendes sowie nachbarschaftliches Sommerfest und als bisheriger Höhepunkt des Projekts das Zentrum der Ausstellung und schlägt in den gelungenen Bildern von Fotograph Moritz Widsgowski eine Brücke zur Permakultur.

Ein herzliches Danke schön geht an den Fotografen für die gelungenen Impressionen, an IBIS Interkulturelle Arbeitsstelle e.V. für die Leihgabe der Berahmung und an das Bio-Restaurant Seidenspinner (http://www.restaurant-seidenspinner.de), wo die Ausstellung samt Vernissage stattfand.

Die Ausstellung in Bild und Text

 

1. PRINZIP DER PERMAKULTUR – Beobachte und integriere:

Die naturnahe und erlebnisorientierte Herangehensweise im Umweltbildungsprojekt „Essbare Schulen Oldenburg“ greift die essentielle Bedeutung der Interaktion und Beobachtung auf, die als erstes Prinzip der Permakultur einen Grundpfeiler für die gestalterische Umsetzung dieses ganzheitlich systemischen Ansatzes darstellt. Wo wächst was und wie kann ich mich als Mensch in die natürlichen Prozesse gewinnbringend einbringen, das sind Fragen, die an den bepflanzten Kistenbeeten diskutiert werden. Ganz konkret geht es dabei darum, den Mehrwert der Natur und des Zusammenspiels ihrer Prozesse für den Menschen mit allen Sinnen zu entdecken. Im klassischen Sinne der Permakultur spielt eine zukunftsfähige Ernährung dabei eine zentrale Rolle, die das Projekt durch „essbare“ Schul- und nicht zuletzt Stadtkonzepte fördert und fordert. Machen wir Oldenburg essbar!

2. PRINZIP DER PERMAKULTUR – Sammle und speichere Energie:

Ressourcen so effizient wie möglich zu nutzen, müsste doch eigentlich auch im Sinne unternehmerischen Denkens und Handelns sein. Was die Permakultur mit ihrem zweiten Prinzip jedoch darunter versteht, ist keine kurzfristige Gewinnmaximierung, sondern ein Mehrwert, der aus einem möglichst langfristigen Erhalt der verschiedenen Ressourcen entsteht. Lebensmittel nach oder gar vor Ablauf ihres Haltbarkeitsdatums per se wegzuschmeißen, widerspricht dieser Logik. Dennoch gehört diese letztendlich energieintensive Praxis einer Kultur des Überflusses in deutschen Supermärkten und Haushalten zum Alltag.

3. PRINZIP DER PERMAKULTUR – Erwirtschafte einen Ertrag:

Jetzt die Basis schaffen, die sowohl unseren Enkeln als auch unserer heutigen Generation einen lebensfähigen Ertrag ermöglicht, ist ein wichtiger Gedanke des Projekts „Essbare Schulen Oldenburg“. Praxisnahe Umwelt- und Ernährungsbildung zielt einerseits auf Formen direkter Bewusstwerdungsprozesse und Verhaltensänderungen hinzu nachhaltigeren Ernährungsweisen. Andererseits stehen mit den Oldenburger Schulen auch Partner an der Seite des Projekts, die dessen Langzeitausrichtung unterstreichen und eine Teilhabe möglichst vieler aktueller und zukünftiger Schuljahrgänge am Lernraum rund um die Kistenbeete sicherstellen.

4. PRINZIP DER PERMAKULTUR – Wende Selbstregulierung an und lerne aus dem Feedback:

Bei einer nachbarschaftlichen Veranstaltung wie der Schnippeldisko, bei der der Verzehr von vor der Tonne geretteten Lebensmitteln im Zentrum steht, kommt auch das vierte Prinzip der Permakultur zum Tragen. Denn bei dieser Art der kulinarischen Auseinandersetzung geht es nicht nur um die erneute Inwertsetzung solcher ansonsten „wertlosen“ Lebensmittel, sondern auch um eine kritische Reflexion des eigenen Konsumverhaltens. Aus diesem Feedback zu lernen, um bestenfalls ein Ernährungssystem hervorzubringen, dass weniger intensive Korrekturmaßnahmen wie die Rettung von potentiell 12,7 Mio. Tonnen Lebensmittel pro Jahr in Deutschland verlangt, entsprechen dem vierten Permakulturprinzip.

5. PRINZIP DER PERMAKULTUR – Nutze erneuerbare Ressourcen und Leistungen:

Gerade bei der Gartenarbeit lassen sich die zyklischen Prinzipien erneuerbarer Ressourcen, die in der Permakultur unter dem fünften Prinzip großgeschrieben werden, gut berücksichtigen. So wächst der Pflücksalat stetig nach, solange er nicht komplett vernascht wird. Ein möglichst intaktes und nachhaltiges bzw. „perma“-nentes System zwischen Mensch und Natur entspricht dem übergeordneten Gestaltungsziel der Permakultur. Ganz konkret lassen sich diese natürlichen Kreisläufe im Kistenbeet der Schüler*innen zum Beispiel mit Blick auf die Etagenzwiebel und ihre kleinen Ableger schnell erkennen und auch bei den verblühten Sonnenblumen mit bis zu 2000 Kernen ist eine nächste Generation bereits zu Erahnen.

6. PRINZIP DER PERMAKULTUR – Produziere keinen Abfall:

Keinen Abfall zu produzieren bildet nicht nur das sechste Prinzip der Permakultur, sondern auch den Kerngedanken der Schnippeldisko, die in diesem Jahr zum fünften Mal in Oldenburg stattfand. Ihre 350 Besucher*innen retteten im Laufe der diesjährigen Veranstaltung rund 500 Kilogramm Lebensmittel vor ihrer Vernichtung.

7. PRINZIP DER PERMAKULTUR – Gestalte zuerst Muster und dann Details:

Das Projekt „Essbare Schulen Oldenburg“ schafft mit den bepflanzten Kistenbeeten in hiesigen Schulen einen Lernraum, der für viele Schüler*innen sowie Lehrer*innen mit einem Bewusstsein über naturnahe und klimafreundliche Ernährungsweisen einhergeht. Damit bilden die Kistenbeete, die selbst nach den Prinzipien der Permakultur gestaltet wurden, die Möglichkeit als neue Muster Einzug in den Alltag des schulischen Lebens und darüber hinaus zu halten. Solche alternativen Denk- und Handlungsmuster erfahren in der Kreativität jedes lernenden Individuums und mit Liebe fürs Detail stets ihre individuelle Ausgestaltung.

8. PRINZIP DER PERMAKULTUR – Integrieren statt ausgrenzen:

Getreu der Ansicht, dass ein System mehr ist, als die Summe all seiner Komponenten, richtet die Permakultur den Blick auch auf die Beziehungen zwischen einzelnen Komponenten. So lassen sich zum einen in den Kistenbeeten der Schüler*innen gewinnbringende Verbindungen unter den Pflanzen und Lebewesen auch über den Wert der „Essbarkeit“ hinaus erkunden. Zum anderen steht auch die Schnippeldisko für Genussmomente mit gesunden und ausgewogenen Gerichten aus synergie-trächtigen Zutatenkombinationen.

9. PRINZIP DER PERMAKULTUR – Nutze kleine & langsame Lösungen:

Nicht nur die praktische Gartenarbeit am Kistenbeet ist größtenteils Handarbeit, auch der Weg vom geretteten Gemüse bei der Schnippeldisko, der von der Lebensmittelkiste über die Waschstraße, das Schneidebrett und den Chefkoch bis zum Teller führt, steht für eine Infrastruktur der Entschleunigung. Im Sinne des neunten Prinzips der Permakultur gelten solche kleinen, langsamen und damit auch menschlicheren Maßstäbe als erstrebenswerter Gegenpol zur allgegenwertigen Kultur des „höher, schneller, weiter“ und ihrer zerstörerischen Dynamik.

10. PRINZIP DER PERMAKULTUR – Nutze & schätze die Vielfalt:

Natur als ein System, das eine enorme Vielfalt hervorbringt und stetig im Wandel ist, lässt sich nicht mit den Maßstäben industrieller Normen und Standards bemessen. Dass solche Konformitäten dennoch etabliert sind und krummes Gemüse ohne Lebensmittelrettung sonst wohl kaum auf einem Teller landen würde, wird den Besucher*innen der Schnippeldisko schnell bewusst. Das entsprechende Potential einer solchen Vielfalt, die sich nicht zuletzt auch in einer gesteigerten Biodiversität äußert, betont die Permakultur in ihrem zehnten Prinzip.

11. PRINZIP DER PERMAKULTUR – Nutze Randzonen und schätze das Marginale:

Beim Blick auf die Kistenbeete des Projekts „Essbare Schulen Oldenburg“ wird deutlich, dass sich das Leben längst nicht allein im Beet selbst abspielt. Mittlerweile haben erste Pionierpflanzen Randzonen um das Kistenbeet herum erobert und treten in einen fruchtbaren Austausch mit einer erweiterten Umgebung. So lässt sich mittlerweile auch Rucolasalat im Kartoffelbeet des Neuen Gymnasiums Oldenburg (NGO) ernten. Die Wertschätzung solcher Randzonen und marginalen Entwicklungen, thematisiert das elfte Prinzip der Permakultur. Es lohnt sich also ein erweiterter Blick über den Tellerrand und Gartenzaun.

12. PRINZIP DER PERMAKULTUR – Nutze & reagiere kreativ auf Veränderung:

Die Verschwendung von Lebensmitteln ist wohl für niemanden ein erfreuliches Thema. Da sie dennoch zur aktuellen Realität gehört und allein in jedem deutschen Haushalt etwa 85 Kilogramm Essen im Jahr weggeschmissen werden, steht die Schnippeldisko im Sinne des zwölften Prinzips der Permakultur mittlerweile für einen etablierten und kreativen Umgang mit negativen Dynamiken individueller und vor allem systemischer Ernährungspraxis.